Arbeitsmarkt-Report Hessen: Deutlicher Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in Hessen. Gleichzeitig wird die berufliche Förderung von arbeitslosen Jugendlichen im SGB II bedauerlicherweise seit 2019 stark zurückgefahren
Zusammenfassung von Miriam Hedtmann
LAG fordert mehr statt weniger Qualifikationsangebote für junge Erwachsene im SGB II – Leistungsbezug
Arbeitsmarkt-Report Hessen, Ausgabe 2. Quartal 2026 – (Aus-)Bildungs- und Arbeitsmarktsituation Jugendlicher und junger Erwachsener in Hessen (AH Q2/2026).
Hier finden Sie den ausführlichen Arbeitsmarkt-Report als PDF
Die Autoren Stefan Feldens und Philipp Fuchs vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) geben im vorliegenden Bericht zunächst einen Überblick über die allgemeine Entwicklung des Arbeitsmarktes in Hessen. Der besondere Schwerpunkt dieser Ausgabe liegt auf der (Aus-)Bildungs- und Arbeitsmarktsituation Jugendlicher und junger Erwachsener in Hessen. Der Report wird im Auftrag der LAG Arbeit in Hessen verfasst. Die genannten Daten beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf Hessen. Häufig sind die dargestellten Entwicklungen in ihren Tendenzen nicht hessenspezifisch, sondern auch bundesweit zu beobachten. Im Folgenden fassen wir die aus Sicht der LAG wichtigsten Ergebnisse zusammen:
Wirtschafts- und Arbeitsmarktschwäche erschwert den Berufseinstieg von jungen Erwachsenen
Die Arbeitslosigkeit weist unter jungen Menschen seit 2022 eine stark steigende Dynamik auf. Im April 2026 lag die Jugendarbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen in Hessen bei 6,0 %, womit sie etwas höher als im Bundesgebiet ausfiel (5,8 %) und gegenüber April 2019 um knapp zwei Prozentpunkte zunahm. Die Zahl der unter 30-jährigen Arbeitslosen ist zwischen April 2019 und 2026 sowohl im SGB III (+45,0 %) als auch im SGB II (+33,5 %) dynamisch gestiegen – die Wirtschafts- und Arbeitsmarktschwäche kommt folglich auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Tragen und erschwert ihren Berufseinstieg. Die Geschehnisse im SGB-II-Rechtskreis werden insgesamt sowie bei jungen Menschen nach wie vor recht stark von der ausgeprägten Fluchtmigration der letzten Jahre geprägt. Hier besitzt jeweils mehr als die Hälfte der unter 30-jährigen Arbeitslosen (54,3 %) und Leistungsbeziehenden (54,1 %) nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Angesichts unzureichender Deutschkenntnisse sowie häufig nicht verwert- oder unkompliziert anerkennbarer Berufsqualifikationen und -erfahrungen ist die Arbeitsmarktintegration der Betreffenden herausfordernd. Besorgniserregend ist zudem der mit 21 % hohe Anteil an 20- bis 34-Jährigen, die keine formale Berufsqualifikation haben (sog. nfQ-Quote). Die Betreffenden sind zwar nicht zwangsläufig arbeitslos, sie haben aber im weiteren Lebensverlauf limitierte Beschäftigungsoptionen und erhöhte Arbeitslosigkeitsrisiken. (Abb. und Daten: AH Q2/2026, S. 12f, S. 18)
Vermittlung in Qualifizierungsmaßnahmen des SGB II gegenüber 2019 deutlich gesunken - trotz starken Anstiegs der Jugendarbeitslosigkeit
Die Förderung junger Menschen ging im Zuge der Covid-19-Pandemie stark zurück. Zwar fällt der Einbezug unter 25-Jähriger in Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik im Vergleich zu anderen Altersgruppen nicht unterproportional aus, allerdings liegen die Förderaktivitäten insbesondere im SGB-II-Rechtskreis gegenwärtig auf einem deutlich geringeren Niveau als im Jahr 2019, obwohl die Jugendarbeitslosigkeit seither stark gestiegen ist und derzeit weit über dem Vorkrisenniveau liegt. Gerade bei jungen Menschen aus der Ukraine und den acht Asylherkunftsländern ist die nahtlose Unterstützung im Anschluss an Integrations- und Sprachkurse im BAMF-Fördersystem von hoher Bedeutung, um deren Chancen auf den Einstieg in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu steigern. Jedoch besteht aktuell eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen Förderung und Arbeitslosigkeit. (Abb. und Daten: AH Q2/2026, S. 15f, S. 18)
LAG fordert mehr statt weniger Qualifikationsangebote für junge Erwachsene im SGB II – Leistungsbezug
Vor dem Hintergrund des fachkräfteorientierten, sich schnell verändernden Arbeitsmarktes ist es noch wichtiger als in den vorangegangenen Jahren, jungen Menschen den Zugang zu einer Berufsausbildung zu ermöglichen.
Qualifikationsmaßnahmen im SGB II bauen eine Brücke in Ausbildung und Arbeitsmarkt. Der Rückgang bei der Qualifizierung von SGB-II-Leistungsbezieher*innen ist sowohl aus Sicht der Betroffenen als auch in gesamtgesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Hinsicht höchstproblematisch. Insbesondere für junge Menschen ist es fatal, wenn sie in prekären Lebenssituationen nicht begleitet und gefördert werden.